Jahreskampage 2008 - Achten statt Ächten

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Unsere Forderungen

Jugendliche respektieren und fördern

Jahresthema
Jahresthema
In Deutschland gibt es eine Reihe von Jugendlichen, die an den Anforderungen scheitern, die täglich auf sie einprasseln. Sie kommen in der Schule nicht mehr mit, sie schaffen es nicht, eine ordentliche Bewerbung zusammenzustellen, sie sind perspektivlos. Ihre „Überlebensstrategien“ bringen ihre Hilflosigkeit zum Ausdruck: Schule schwänzen, verweigern und abbrechen, Flucht in virtuelle Welten.

Jugendliche brauchen Bildung

Bildung darf nicht einer Elite vorbehalten sein, denn sie ist ein zentrales Menschenrecht. Trotz vieler Anstrengungen gelingt es in Deutschland nicht, eine Bildungsgerechtigkeit herzustellen. Jugendliche aus armen Familien bleiben abgehängt. Das belegt selbst die Statistik der Bundesregierung: Trotz gleicher Leistung ist die Wahrscheinlichkeit, dass diese Jugendlichen eine Empfehlung fürs Gymnasium erhalten, vier Mal geringer als bei Kindern wohlhabender Eltern. Nach wie vor gilt: Wer eine schlechte Bildung hat, hat kaum Chancen auf Arbeit und wer keine Arbeit hat, bleibt arm.

Der Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung macht deutlich, dass die betroffenen Jugendlichen massiv an der Teilhabe und Teilnahme am gesellschaftlichen Leben behindert werden. Die Lernmittelfreiheit ist in einigen Bundesländern aufgeweicht. Das trifft vor allem die Jugendlichen, deren Eltern von staatlicher Unterstützung abhängig sind. Oft können sie weder an Schulausflügen und Klassenfahrten teilnehmen, noch sich Taschenrechner oder Nachhilfeunterricht leisten.

Jugendliche brauchen eine gute Gesundheit

Arme Jugendliche sind häufiger krank als reiche. Programme, Angebote und Kampagnen, die aufklären und zu vorbeugendem Verhalten anleiten, erreichen oft nur gebildete Mittelschichtfamilien. Unwissenheit und Geldknappheit sind die Hauptgründe, weshalb bildungsferne Schichten oft nicht ausreichend auf die Gesundheit achten. Seit 2003 müssen Kranke die meisten apothekenpflichtigen, nicht verschreibungspflichtigen Medikamente selbst bezahlen. Ausgenommen sind Kinder bis zum vollendeten zwölften Lebensjahr. Ältere Jugendliche aus einkommensschwachen Familien bleiben oft unterversorgt, weil deren Eltern die finanziellen Mittel fehlen.

Jugendliche müssen raus aus der Armut

Auch wenn Armut in Deutschland oft nicht sichtbar ist, sie hat große Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche. Oberflächlich betrachtet bedeutet das: Was in unserer Gesellschaft im Überfluss vorhanden ist, können sie sich nicht leisten. Manche Jugendliche versuchen deshalb mit allen Mitteln der stigmatisierenden Wirkung der Armut zu entkommen. Die einen klauen Markenklamotten, die anderen finanzieren sich das Handy auf Pump – ohne die Folgen dieser Handlungen wirklich zu überblicken.

Die zunehmende Überschuldung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist in erster Linie auf ihre fehlende Finanzkompetenz und Unerfahrenheit in finanziellen Angelegenheiten zurückzuführen. Ihnen fehlt eine praxisorientierte finanzielle Allgemeinbildung, um als aufgeklärte und kritische Verbraucher „auf gleicher Augenhöhe“ mit Verkäufern, Versicherungsvertretern oder Bankangestellten verhandeln zu können. Dieser Wissensmangel kann nicht allein durch die bestehenden Angebote der Schuldnerberatung geschlossen werden.

Die Statistiken verdeutlichen: Armut ist in Deutschland keine Randerscheinung mehr. Im Juli 2007 erhielten rund 2,5 Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland Hilfeleistungen nach dem Sozialgesetzbuch II und waren somit auf die finanzielle Unterstützung des Staates angewiesen. Ihre Grundversorgung, ihre sozialen und kulturellen Entwicklungsmöglichkeiten sowie ihre seelische und körperliche Gesundheit sind beeinträchtigt. Sie wachsen mit Armut und Verzicht auf – und stecken, ohne dass sie etwas dafür können, in einem verhängnisvollen Kreislauf: Wer arm ist, hat schlechte Bildungschancen. Wer eine schlechte Bildung hat, hat kaum Chancen auf Arbeit und wer keine Arbeit hat, bleibt arm.

Jugendliche brauchen eine Ausbildung

Im November 2007 waren 16.600 Jugendliche ohne Ausbildungsplatz und 345.334 Menschen unter 25 Jahren arbeitslos. Jugendliche und junge Erwachsene trifft die Arbeitslosigkeit besonders hart. Sie stecken mitten in der Lebensphase, in der sie klären müssen, wer sie sind und was sie können – und dabei laufen sie ungebremst ins Leere. Denn eines wissen sie genau: Wer keine Ausbildung hat, bekommt auch nur schwer einen Arbeitsplatz. Im November 2007 erhielten 925.661 erwerbsfähige Personen unter 25 Jahren Arbeitslosengeld II. Kein Wunder also, wenn immer mehr Jugendliche auf die Frage nach ihrem Berufsziel antworten: „Ich werde Hartz IV!“

Dabei sieht das Sozialgesetzbuch II vor, dass solche Jugendliche vorrangig in eine Arbeit oder Ausbildung zu vermitteln sind. Doch die Realität sieht anders aus. Statt ihnen aufwendigere, ausbildungsorientierte Qualifizierungsangebote zu eröffnen, werden viele in billigere Kurzzeitmaßnahmen vermittelt. Solche Arbeitsgelegenheiten beinhalten zwar Qualifizierungsanteile, bieten in der Regel aber keine berufliche Perspektive. Ohne weiterführende Unterstützung fallen die Jugendlichen häufig in die Arbeitslosigkeit zurück. Aufgrund ihrer „nicht ausreichenden Qualifikation“ bleiben sie dauerhaft uninteressant für reguläre Beschäftigungsverhältnisse.